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Der Weg zur Mitte
Kazuo sitzt reglos an der Werkbank

8Der ehrgeizige Schüler und das ruhende Uhrwerk

Kapitel 8 von 20

Kazuo, Holzschnitzer

Ein ehrliches Nein ist ein Ja zu dir selbst.

Grenzen setzen, Nein sagen

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Übung: Drei Atemzüge

Bereit, wenn du es bist.

  1. Bevor du auf eine Bitte antwortest, halte inne.
  2. Atme dreimal langsam ein und aus.
  3. Frag dich: Was möchte ich wirklich?
  4. Antworte dann ehrlich, auch wenn es ein Nein ist.

Die Geschichte in Bildern

Seit den frühen Stunden des Vormittags strich der kalte Herbstwind durch die feinen Ritzen der hölzernen Werkstattwand, an der Kazuo mit gebeugtem Rücken saß und die Finger fest um das kalte Eisen des Schnitzmessers schloss, während die fernen Hammerschläge der Schmiede durch das Tal hallten. Vor ihm lag eine massive Platte aus Zedernholz, in deren faserige Oberfläche er das Bild des kaiserlichen Tempelgartens schneiden sollte, doch der ständige Drang nach Vollendung trieb seine Hand unbarmherzig voran.
Sobald er die Klinge für die Dauer eines Wimpernschlags ruhen ließ, regte sich augenblicklich das dumpfe Gefühl der Schuld, das ihn antrieb, als liefe ihm die verbleibende Lebenszeit unaufhaltsam davon. Sein Vater hatte diese Haltung schon in seiner frühen Kindheit tief in seinen Gliedern verankert. Jedes Zögern beim Holzhacken oder beim Tragen des schweren Wassereimers war mit strenger Rüge gestraft worden, da in den Augen des Vaters nur der tüchtige Arbeiter Liebe und Schutz verdiente, während der Schwache ausgestoßen wurde. So wuchs Kazuo in dem Glauben auf, dass seine Sicherheit ausschließlich in der völligen Erschöpfung lag. Er glich dem schweren Wasserrad am Gebirgsbach, das sich unter dem unaufhörlichen Schwall des Wassers stumm drehte, bis das Holz morsch wurde und brach.
Selbst in den stillen Abendstunden, wenn der Duft von frischen Sägespänen und Harz allein die leere Werkstatt erfüllte, fand sein Geist keine Ruhe. Obwohl er an manchen Abenden an die weisen Worte des alten Klosterabts dachte, der ihm erklärt hatte, dass der Geist formbar wie feuchter Ton sei, kehrte der gute Vorsatz am nächsten Morgen nicht zurück. Ein einziger finsterer Blick des Meisters oder das ungeduldige Klopfen eines anderen Gesellen reichten aus, um ihn in tiefe Verwirrung zu stürzen. Sein Inneres war so wehrlos wie ein dünner Papierwandschirm im winterlichen Sturm. Er übernahm die Aufgaben der anderen, lud sich jede fremde Last auf die Schultern und verurteilte sich selbst für seine Langsamkeit, weil ihm ein Wort der Ablehnung wie ein unverzeihliches Vergehen erschien.
Am späten Nachmittag, als die Dämmerung bereits lange Schatten über die Werkbank warf, trat der ältere Geselle Kenzo an Kazuos Tisch. Kenzo trug ein schweres, raues Brett aus dunklem Kirschbaumholz unter dem Arm und legte es mit einer herrischen Gebärde direkt vor Kazuos Hände. Er verlangte, dass Kazuo die feinen Rindenverzierungen an den Rändern für ihn fertigstelle, da er selbst dringend zur Holzbeschaffung in den Wald müsse.
Kazuo blickte auf das dunkle Holz. Sofort spürte er ein schmerzhaftes Zusammenziehen in seiner Magengegend. Seine eigene Arbeit, die filigrane Schnitzerei für den Schrein, war noch weit von der Vollendung entfernt und duldete keine Verzögerung mehr. Der vertraute Drang stieg in ihm hoch, das Kirschbaumbrett anzunehmen und die zusätzliche Nachtarbeit stumm zu ertragen, um den Frieden in der Werkstatt zu wahren.
Doch in diesem Augenblick verharrte er. Er wendete den Blick von Kenzos fordernden Augen ab und richtete seine Aufmerksamkeit ganz auf den eigenen Körper. Er schloss die Lider und atmete tief in den Bauch hinab.
Mit dem ersten Atemzug floss die kühle Luft bis tief unter den Bauchnabel und brachte die aufsteigende Hast zum Erliegen. Der zweite Atemzug füllte den Raum in seiner Mitte mit einer festen, ruhigen Weite, die ihm die Schwere der Erde verlieh. Beim dritten Atemzug spürte er eine kühle Klarheit in seinem Magen, die ihm die Kraft schenkte, nicht voreilig zu nicken.
Er öffnete die Augen, blickte Kenzo ruhig an und erklärte mit fester Stimme, dass er das Kirschbaumbrett dieses Mal nicht bearbeiten könne, da seine eigene Schnitzarbeit seine volle Aufmerksamkeit verlangte. Er sprach die Ablehnung deutlich aus, frei von Entschuldigungen oder Zögern. Kenzo nahm das Brett wortlos an sich und wandte sich mit einem finsteren Blick ab.
In demselben Moment stieg ein pochender Schmerz in Kazuos Magen auf, begleitet von einer Welle der Angst, welche ihm einreden wollte, er habe die Gemeinschaft verletzt. Früher wäre er dem Gesellen nachgelaufen, um das Brett doch noch an sich zu reißen und das unangenehme Gefühl zu betäuben. Dieses Mal blieb er stehen.
Er hielt das Ziehen in seiner Mitte aus, atmete ruhig weiter und wich der Unruhe nicht durch ein falsches Einverständnis aus. Er erlaubte dem Schmerz zu verweilen, bis das Brennen in seinem Bauch allmählich erlosch und einer kühlen Freiheit wich. Die Sorge verflog wie Rauch im Wind.
Er setzte die Klinge wieder an das Zedernholz und führte den nächsten Schnitt mit einer sicheren Hand aus, die er zuvor noch nie gespürt hatte, während das gleichmäßige Gleiten des Messers die Stille des Abends teilte.