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Der Weg zur Mitte
Jinbei steht reglos mit der Teeschale

7Der Teehändler und der erste Schritt

Kapitel 7 von 20

Jinbei, Teehändler

Ein Atemzug genügt für einen Neuanfang.

Kleine Haltepunkte im Alltag

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Übung: Kleine Haltepunkte

Bereit, wenn du es bist.

  1. Wähle einen Moment im Alltag: die Türklinke, den ersten Schluck Tee.
  2. Halte dort kurz inne.
  3. Nimm einen bewussten Atemzug.
  4. Geh dann weiter. Ein Atemzug genügt.

Die Geschichte in Bildern

Das laute Scheppern einer eisernen Kette durchschnitt die kühle Morgenluft des Hafens, als der Fischhändler nebenan seinen hölzernen Karren über das Kopfsteinpflaster zog. Jinbei zuckte zusammen. Erneut hatte das laute Treiben seine Gedanken erfasst, noch bevor er den ersten Tee des Tages aufgießen konnte.
Seit vielen Jahren hegte er an jedem Morgen den Wunsch, dem unruhigen Marktplatz mit innerem Frieden zu begegnen, doch die vertraute Gewohnheit des Sorgenmachens holte ihn stets ein. Kaum rief der Nachbar einen unhöflichen Gruß über die Stände, erwiderte er den Ruf mit scharfen Worten, weil sich der Ärger schneller als die Besonnenheit Bahn brach.
Diese schnellen Regungen glichen einem tief ausgetretenen Pfad in einem dichten Fichtenwald, den seine Füße im Laufe der Jahre blind gewählt hatten. Wer beständig den bequemen Weg wandert, verlernt die Trittsicherheit auf dem steinigen Lehmboden. Das Ringen um eine neue Haltung glich dem Schlagen einer Schneise durch dichtes Dornengestrüpp, da die sperrigen Zweige der Gewohnheit den Blick verstellten und das Vorankommen hemmten. Doch jeder Schritt abseits der alten Spur schuf neuen Raum für ein besonnenes Handeln.
Als das erste matte Licht über der rauen Hafenbucht aufstieg, stand Jinbei bereits an seinem Teestand. Noch im Halbdunkel griff er nach den schweren Holzläden, um sie zur Seite zu schieben.
Dabei liefen seine Hände die vertrauten Handgriffe ab, während seine Gedanken bereits die künftigen Einnahmen zählten und sich um den Preis der Teeblätter sorgten. Er ordnete die kleinen irdenen Schalen auf dem verwitterten Zypressenbrett, prüfte das Gewicht der eisernen Waage und stapelte die hölzernen Teekisten mit hastigen Bewegungen. Der Tag begann nicht in Ruhe. Vielmehr trieb ihn die Furcht vor Verlusten durch die frühen Stunden, als liefe er hinter einem Karren her, den er niemals einholen konnte.
Die Schwere des Tages lag selten in der Fülle der Arbeit, sondern entsprang dem ständigen Vorwärtsdrängen ohne Pause. Gegen Mittag fühlte er sich oft ausgelaugt und leer, da er von einer Verrichtung zur nächsten geeilt war, ohne den Atem fließen zu lassen.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, wählte er nun bewusst kleine Haltepunkte. Jedes Mal, wenn er den hölzernen Deckel einer neuen Teekiste hob, verharrte er für die Dauer eines Atemzugs, bevor er die getrockneten Blätter abmaß. Diese kurzen Augenblicke glichen ruhigen Inseln in einem reißenden Strom.
Die Sonne stieg nun höher und beleuchtete das dichte Getümmel auf dem Pflaster. Der Geruch von gebratenem Fisch stieg von den Steinplatten auf, während Karren laut quietschend über den steinernen Weg rumpelten. Unter den Rufen der Fischhändler drängte sich die Menge vor seinen Stand.
Als Jinbei das vertraute Ziehen in seiner Brust spürte, griff er nach einer einfachen irdenen Schale. Er goss das heiße Wasser über die dunklen Blätter, sodass ein feiner Dampf aufstieg und den krautigen Duft von getrocknetem Teegras verströmte. Dann hob er das Gefäß mit beiden Händen an.
Er schloss die Augen. Die Tonschale brannte fast auf seinen rauen Handflächen, während gleichzeitig der kühle Wind der Bucht über seine Stirn strich. Er spürte diese Gegensätze. Die intensive Hitze des Tons an seinen Fingerspitzen und die Frische der Luft auf seiner Haut trafen sich in seiner Wahrnehmung, während das Rumpeln der Karren und das Feilschen der Käufer zu einem fernen Hintergrundrauschen verschwammen. Diese physische Erfahrung der Wärme hielt ihn fest im Jetzt.
Er öffnete die Augen, stellte das Gefäß ab und sah den ersten Kunden mit ruhigem Blick an, während sich das geschäftige Treiben des Marktes um ihn herum weiter entfaltete.