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Der Weg zur Mitte
Daisuke sitzt reglos im Kahn

5Der Fischer und der Fluss des Lebens

Kapitel 5 von 20

Daisuke, Fischer

Wer mit dem Strom geht, findet seinen Weg.

Loslassen, mit dem Fluss gehen

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Übung: Schultern sinken lassen

Bereit, wenn du es bist.

  1. Zieh beim Einatmen die Schultern sanft zu den Ohren.
  2. Lass sie beim Ausatmen sinken, ganz ohne Kraft.
  3. Wiederhole es dreimal.
  4. Stell dir vor, du lässt dich vom Fluss tragen statt gegen ihn zu rudern.

Die Geschichte in Bildern

Ufernebel lagerte am Morgen über dem Wasser des Flusses, weit abseits des staubigen Bergtempels. Daisuke schloss die Finger fest um das raue Fichtenholz der Ruderriemen, da das Boot bereits heftig schwankte. Wild peitschte die reißende Strömung die Planken.
Weil das Wasser den Kahn unaufhaltsam gegen die Felsen trieb, stemmte er sich mit dem ganzen Körpergewicht gegen den Fluss, dessen eisige Gischt bereits über die Bordwand spritzte und seine Kleidung durchnässte. Das elastische Holz der Riemen bog sich unter der Wucht der Flut.
In seinen Armen brannte der Schmerz der Überanstrengung, während sein Keuchen das ständige Tosen der Wellen durchschnitt. Jeder Schlag gegen die Strömung schien wirkungslos zu verpuffen. In seinen Gedanken tobte ein unruhiges Hadern mit der Macht des Wassers, das ihn mit jedem weiteren Versuch tiefer in den Griff der eigenen Erschöpfung zog.
Aus dieser tiefen Not heraus klammerte er sich nur noch heftiger an das Bambusholz. Er wollte den Fluss zwingen. Doch je verbissener er gegen den Zug der Flut ankämpfte, desto unruhiger geriet das Boot ins Wanken. Unter der Anspannung verkrampften sich seine Glieder, bis die Knöchel fahl hervortraten.
Dieses sehnsüchtige Ringen um Sicherheit nahm ihm den Blick für das Ganze. Er sah nur noch die Gefahr direkt vor sich. Der Versuch, die Dynamik der Natur durch bloße Muskelkraft zu bezwingen, erzeugte eine tiefe Lähmung. Weil der erschöpfte Körper unter der Nässe zitterte, drohte der Kahn vollends zu kentern.
Wild jagten die Sorgen durch sein Gemüt. Er versuchte, die Angst mit innerer Kraft niederzuhalten, doch die Unruhe wuchs mit jedem schäumenden Schwall. Das Rauschen des Wassers klang wie ein feindlicher Ruf, der seine Kraft in einem fortwährenden Ringen band.
Nun erkannte Daisuke die Grenzen seines eigenen Wirkens. Da der Strom unendlich viel mächtiger floss als seine menschlichen Arme, lag die wirkliche Stärke in der bewussten Annahme dieser Strömung, die sich mit ewigem Recht ihren Weg bahnte.
Er spürte den festen Krampf, der sich unter der nassen Hanfjacke auf seine Schultern gelegt hatte. Der Nacken fühlte sich starr an, und die Atmung ging flach. Um diesen Griff der Furcht zu lösen, überließ er die Schultern bewusst der Schwere. Mit dem Ausatmen ließ er das Gewicht absinken, sodass das Gewebe unter dem feuchten Stoff weich wurde und die Spannung im Nacken schwand, die ihn zuvor gelähmt hatte.
Bei jedem weiteren Atemzug gab er den Körper der anziehenden Kraft der Erde hin. Obwohl das Wasser unerbittlich weiter wütete und die Felswände bedrohlich nahe blieben, überließ Daisuke die Ruder dem natürlichen Lauf, um ganz mit der Kraft des Stroms zu fließen.
Er umschloss das raue Holz mit gesunkenen Schultern neu, um die Riemen ruhig im Einklang mit der Strömung zu führen. Der Kahn glitt nun mit dem Strom, getragen von dem Fluss, der ihm den Weg wies.