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Der Weg zur Mitte
Hisashi kniet reglos auf dem Feld

14Der Bambuszüchter und die Zeit des Wartens

Kapitel 14 von 20

Hisashi, Bambuszüchter

Was wächst, wächst zuerst im Verborgenen.

Geduld, Vertrauen ins Unsichtbare

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Übung: Vertrauen ins Unsichtbare

Bereit, wenn du es bist.

  1. Leg die Hände auf den Bauch oder auf den Boden.
  2. Denk an etwas, das bei dir gerade wächst, auch wenn man es noch nicht sieht.
  3. Atme ruhig und geduldig.
  4. Sag dir: Es wächst schon im Verborgenen.

Die Geschichte in Bildern

Noch ehe das Grauen des Morgens die ersten Wipfel der hohen Bambusstämme berührte, stand Hisashi im Hain, während die kalte Feuchtigkeit noch dicht über dem kahlen Feld lag. Seit vielen Jahren pflegte er das Land mit Geduld. Doch auf der dunklen, kühlen Erde des Feldes zeigte sich auch nach Monaten kein einziger grüner Trieb.
Er zweifelte an seinem erlernten Können, da das ständige Ausbleiben eines sichtbaren Erfolgs an seinen Kräften zehrte, während sein unruhiger Geist unaufhörlich nach den wahren Ursachen für dieses scheinbare Versagen suchend kreiste. Hisashi sah sich auf der Stelle treten, während die Bauern im fruchtbaren Tal reiche Ernte einbrachten. Zweifel lähmte all seine innere Kraft.
Das langsame Wachstum des jungen Bambus geschah jedoch tief verborgen im dunklen Erdreich. Der erfahrene Züchter legte die Keime in den Lehmboden und netzte die feuchte Krume täglich sorgsam mit frischem klaren Wasser. Dennoch erblickte er jahrelang nichts als nacktes Land.
Er grub das Erdreich nicht um. Vielmehr vertraute er dem Wirken unter der Oberfläche. Der feste Halt lag in der Tiefe der Erde.
Mit unruhigen, hastigen Bewegungen hetzte Hisashi von einer täglichen Arbeit zur nächsten, wobei er den ständigen Drang immerzu verspürte, die langsam vergehenden Stunden des Tages gewaltsam abzukürzen. Wenn er am Morgen den Pfad kehrte, eilte sein Denken bereits voraus. Er wollte das Feld verlassen und ein neues Handwerk ergreifen. Während er kehrte, begehrte sein unruhiges Inneres auf. Das Kehren des schmalen Pfades erschien ihm wie eine nutzlose Verschwendung. In diesem ständigen Hader entstand ein zusehends zermürbender Kampf. Er sah den leeren Boden stetig als lästiges Hindernis. Doch die Last lag nur in der Eile seines eigenen Geistes.
Er hetzte von einer Pflicht zur nächsten. Am Nachmittag breitete sich eine tiefe Gereiztheit aus. Er verrichtete seine Pflicht wie ein ermüdetes Lasttier auf vertrautem Weg. Seine alltäglichen Handbewegungen wurden nun zusehends fahrig.
Dieses unaufhörliche Vorwärtsstreben brachte ihn jedoch nicht einen einzigen Schritt näher an sein Ziel. Er verlor all seine kostbare Kraft im vergeblichen Widerstand gegen das langsame Vergehen der Stunden, während die feuchte Dunkelheit des hereinbrechenden Abends die Schatten der hochgewachsenen Bambusstämme ringsum allmählich wachsen ließ.
Manchmal verlangte er zu viel von sich. Der gesamte Tag sollte stets in vollkommener Gewissheit verbracht werden. Bei Zweifel fühlte er sich gescheitert. Wahre Veränderung geschah in der Beständigkeit kleiner Schritte. Ein einziger besonnener Augenblick wog schwerer als das ungeduldige Verlangen nach schnellem Wachstum.
Die Dämmerung legte sich sachte über den Hain, und die Schatten der Bambusstämme wurden länger. Kalter Wind wehte durch. Hisashi stand stumm vor dem kahlen, leeren Stück Erde, das noch immer kein einziges Lebenszeichen von sich bot. Er spürte die Sorge vor dem Misslingen wieder wie ein kaltes Ziehen in seiner engen Brust. Ungeduld flüsterte ihm ein, all seine Mühe sei vergebens.
Hisashi verharrte mitten auf dem dunklen, kühlen leeren Feld. Zügig stellte er die Wasserträger beiseite und kniete nieder. Sorgsam legte er seine Handflächen flach auf die kalte Erde. Er schloss die Augen. Stumm lauschte er hinein. Unter seinen Händen spürte er das raue Erdreich der feuchten Krume. Körner drückten gegen seine Haut. Festigkeit des Bodens trug seinen Körper.
Das Feld war leer. Das Wachstum ließ sich nicht erzwingen. Die gesamte Zukunft blieb weiterhin vollkommen ungewiss. Doch durch das Ertasten der kühlen Krume kehrte Ruhe in seine Glieder zurück. Er akzeptierte das Nichtwissen und die Ungewissheit der Tage.
Er öffnete die Augen, erhob sich langsam und setzte sein Werk besonnen fort, während die Stille des Abends den Hain erfüllte.