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Der Weg zur Mitte
Ritsuko kniet reglos

12Die Teemeisterin und der Geschmack des Augenblicks

Kapitel 12 von 20

Ritsuko, Teemeisterin

Die Angst darf bleiben. Du handelst trotzdem.

Den Augenblick schmecken – trotz Angst

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Übung: Mit den Händen ertasten

Bereit, wenn du es bist.

  1. Nimm eine Tasse oder Schale in beide Hände.
  2. Schließ die Augen.
  3. Spür Wärme, Gewicht und jede raue Stelle.
  4. Bleib ganz bei deinen Händen, auch wenn Sorgen da sind.

Die Geschichte in Bildern

In der dämmerigen Vorbereitungskammer des Teehauses, in welcher das matte Licht des späten Nachmittags nur schwach durch die bespannten Papierfenster drang, saß Ritsuko reglos auf den kühlen Dielen, während vor ihr die hölzernen Gefäße für die bevorstehende Zeremonie bereitstanden. Ihr eigener Geist schweifte nun unaufhaltsam ab. Dort, im weiten Gastraum, erwartete sie in quälender Sorge die Ankunft der hohen Gäste, deren unerbittliche Blicke und strenges Urteil sie zutiefst fürchtete, da jeder kleinste Fehler ihre Ehre zerstören konnte.
Ihre Kehle war eng. Die Sorge vor dem Missfallen lähmte all ihre Kraft. Ihre Finger strichen in hastigen, unregelmäßigen Bewegungen über das weiße Leinentuch, um das zylindrische Holz zu reinigen. Ihr Blick irrte unablässig zur Schiebetür aus hellem Holz.
In den düsteren Winkeln ihrer Vorstellung sah sie bereits das hochmütige Lächeln des Fürsten vor sich, falls ihre Hand beim Aufgießen des siedenden Wassers auch nur ein einziges Mal erbeben sollte. Dieses ständige Grübeln entzog sie der Gegenwart, sodass das sorglose Polieren des Bambus zu einer lästigen Pflicht verkam, bei der sie das Gespür für die glatte Faser vollkommen verlor. Der laute Lärm in ihrem eigenen Kopf nahm nun stetig zu. Unruhe raubte ihr die Kraft.
Sie eilte von Gefäß zu Gefäß. Eine bleierne Schwere breitete sich in ihren Gliedern aus, weshalb ihr jeder einzelne Schritt auf dem hölzernen Weg unsäglich schwerfiel. Sie fühlte sich gänzlich fremd. Ihr Körper entzog sich der Kontrolle.
Dieses verzweifelte Ringen um eine vollkommene Darbietung vor den Augen der Prüfer vergrößerte lediglich ihre eigene Not, während sie all ihre Kräfte im nutzlosen Kampf gegen die Angst aufzehrte. Sie verlangte Unmögliches von sich. Die Zeremonie sollte in einer erzwungenen Perfektion geschehen, als dürfe kein einziger Wassertropfen das Seidentuch benetzen. Sobald ihr dies misslang, sah sie sich bereits am Boden zerstört. Doch der wahre Kern dieses Weges lag nicht in einer toten äußeren Fehlerfreiheit. Ein einziger Moment aufrichtiger Hingabe wog schwerer als der vergebliche Versuch, die eigene Natur mit Gewalt zu bezwingen.
Plötzlich ertönte der dumpfe Klang der eisernen Gartenklocke, dessen langes Nachhallen die Stille der Dämmerung durchschnitt. Die Gäste schritten durch das Holztor. Ritsuko spürte die aufsteigende Furcht sofort als kalte Welle. Ihr Herz klopfte wild gegen die Rippen. Ihre kalten Finger zitterten leicht. Die Erwartung der draußen wartenden Männer drang durch die dünnen Papierwände der Kammer, und ihre eigene Schwäche drohte sie nun vollkommen zu überwältigen.
Sie hielt inne. Ruhig legte sie die hölzerne Wasserkelle beiseite. Sie ergriff die schwere irdene Teeschale, die vor ihr auf dem dunklen Seidentuch stand, und umschloss das raue, unvollkommene Gefäß fest mit beiden Handflächen.
Sie schloss die Augen. Ihre gesamte Wahrnehmung lenkte sie in das Spüren dieser Form. Deutlich fühlte sie die raue Wandung der Tonschale und die unregelmäßigen Wölbungen, die der Ton beim Drehen auf der Scheibe erhalten hatte, während ihre Finger über die kühle Ascheglasur tasteten und den tiefen Vertiefungen der Oberfläche folgten.
Dieses Gefäß war unvollkommen. Die Hitze des Ofenfeuers hatte sichtbare Narben auf dem Ton hinterlassen. Sie atmete ruhig in die Stille hinein. Die Angst vor den Gästen verschwand keineswegs, und ihre Finger zitterten noch immer. Doch durch das einfache, bewusste Ertasten des Tons fand Ritsuko wieder festen Halt im gegenwärtigen Handeln, indem sie das Klopfen in ihrer Brust und die Schwäche ihrer Glieder annahm.
Sie öffnete die Augen. Sie hob die Teeschale an. Dann trat sie mit gesammelten Schritten vor die wartenden Gäste, um das kochende Wasser mit zwar zitternden, aber vollkommen entschlossenen Händen in die Schale zu gießen.